Warum eine visuelle Bestandsdokumentation?

Warum am Anfang immer eine visuelle Bestandsdokumentation stehen sollte.

Bevor an einer Außenanlage geplant, saniert, repariert, genutzt oder bewertet wird, sollte zuerst der sichtbare Bestand geordnet erfasst werden. Gerade bei befestigten Außenflächen wirkt vieles zunächst einfach: Pflaster, Platten, Fugen, Ränder, Rinnen und einzelne Auffälligkeiten sind sichtbar. Der eigentliche Mehrwert entsteht aber durch die fachliche Ordnung dieser sichtbaren Zusammenhänge.

Welche Flächen sind vorhanden? Wie werden sie genutzt? Welche Materialien wurden verbaut? Wo liegen Übergänge, Rinnen, Abläufe, Sockelanschlüsse, Setzungen, offene Fugen, Reparaturbereiche oder Materialwechsel? Und welche Bereiche sind nicht nur auffällig, sondern handwerklich oder gestalterisch erhaltenswert?

Eine visuelle Bestandsdokumentation ersetzt keine Vermessung, kein Gutachten und keine Planung. Sie schafft aber eine geordnete Ausgangslage. Maßangaben dienen dabei der Orientierung, Zuordnung und Größenordnung sichtbarer Befunde.

Der Mehrwert liegt vor allem in der Lesbarkeit der Fläche. Sichtbar dokumentiert werden können zum Beispiel Begehbarkeit, Berollbarkeit, Stolperkanten, offene Fugen, unruhige Oberflächen, Materialwechsel, Rinnenanschlüsse, Wasserführung, Mulden, ausgespülte Bereiche oder Pflegeauffälligkeiten.

Auch bei Bau-, Reparatur- oder Leitungsarbeiten ist eine solche Dokumentation sinnvoll. Wird der Zustand vorher festgehalten, lässt sich später besser unterscheiden, was bereits vorhanden war und was sich verändert hat. Das kann Eigentümern, Betreibern und ausführenden Firmen eine klare Vergleichsgrundlage geben.

Wichtig ist außerdem der Blick auf erhaltenswerte Qualität. Nicht jede alte Fläche ist mangelhaft. Natursteinpflaster, Klinkerflächen, stabile Einfassungen, historische Platten, Ornamentpflaster oder reparaturfähige Materialien können einen hohen gestalterischen und handwerklichen Wert besitzen.

Die visuelle Bestandsdokumentation steht deshalb am Anfang, weil sie Ordnung schafft, bevor entschieden wird. Sie macht sichtbar, was vorhanden ist, wie Flächen genutzt werden, wo Auffälligkeiten liegen, wo Wasser geführt wird, welche Bereiche gepflegt oder weiter geprüft werden sollten und welche Qualitäten erhalten bleiben können.

 

Daniel Molnar, staatlich geprüfter Tiefbautechniker - Vermessungstechniker - Steinsetzer & Mosaizist