Keine Gartenzufahrt, kein Bagger aber mehrere Tonnen Material - Ein Ferienprojekt
Eine Gartenterrasse aus wiederverwendetem Klinkerpflaster
Was tun, wenn der Garten nur durch das Wohnhaus erreichbar ist und trotzdem eine neue Terrasse entstehen soll?
Eine Familie machte daraus ein gemeinsames Ferienprojekt – mit Freunden, viel Muskelkraft, gebrauchten Materialien und fachlicher Unterstützung an den entscheidenden bautechnischen Punkten.
Eine Baustelle ohne direkte Zufahrt
Das alte Stadthaus liegt in einem eng bebauten Altstadtkern. Der rückwärtige Garten ist ausschließlich durch das Gebäude erreichbar. Eine seitliche Zufahrt gibt es nicht.
Damit war schnell klar: Der übliche Bauablauf mit Minibagger oder anderem Arbeitsgerät war hier nicht möglich. Selbst sehr kompakte Maschinen konnten nicht durch das Gebäude transportiert werden. Einen Bagger per Kran über das Haus in den Garten einzuheben, wäre technisch zwar denkbar gewesen, hätte aber den finanziellen Rahmen des Projekts deutlich überschritten.
Die Lösung war deshalb so einfach wie arbeitsintensiv:
Hacke, Schaufel, Schubkarre, Baueimer – und viele helfende Hände.
Aus der Baustelle wurde bewusst ein gemeinsames Ferienprojekt. Familie und Freunde packten mit an, Getränke wurden kaltgestellt, der Grill vorbereitet – und dann begann die eigentliche Muskelhypothek.
Erst raus – dann wieder rein
Der notwendige Bodenaushub musste vollständig von Hand erfolgen.
Das gelöste Material wurde in Baueimer gefüllt, durch das Haus bis zur Straße getragen und dort in einen bereitgestellten Container eingebracht.
Nach dem Aushub lief der Materialtransport in umgekehrter Richtung.
Auch das Material für den neuen Unterbau musste von der Straße eimerweise durch den Hausflur in den Garten transportiert werden. Als Frostschutz- und Tragschicht kam geeignetes Recyclingmaterial zum Einsatz, dessen Verwendung zuvor mit den zuständigen Stellen abgestimmt worden war.
Das Material wurde lagenweise eingebaut und verdichtet.
Bereits beim Aufbau des Untergrundes mussten die späteren Höhen und Gefälle berücksichtigt werden. Das anfallende Regenwasser sollte nicht in Richtung Gebäude laufen, sondern gezielt vom Haus weggeführt werden.
Wiederverwenden statt neu kaufen
Für die Oberfläche entschied sich die Familie bewusst gegen neues Pflaster.
Über den Gebrauchtmaterialmarkt wurde altes niederländisches Klinkerpflaster beschafft. Die Steine stammten aus dem Rückbau einer früheren Straßen- beziehungsweise Fußgängerzonenfläche.
Und genau das konnte man ihnen ansehen.
Die Pflastersteine waren unterschiedlich stark abgenutzt, die Abmessungen schwankten und einzelne Steine wiesen noch Spuren ihrer früheren Nutzung auf. Was bei einem neuen Pflaster möglicherweise als Makel empfunden würde, war hier ausdrücklich erwünscht.
Die unterschiedlichen Farben, Gebrauchsspuren, abgerundeten Kanten und Formate geben der Fläche ihren besonderen Charakter.
Gerade in Verbindung mit dem vorhandenen Altbau entstand so eine Terrasse, die nicht wie eine neu gekaufte Standardfläche wirkt, sondern sich selbstverständlich in den Bestand einfügt.
Gleichzeitig konnte vorhandenes Baumaterial weiterverwendet werden, anstatt funktionsfähige Pflastersteine zu entsorgen und durch neu produziertes Material zu ersetzen.
Jeder Stein musste durch das Haus
Natürlich hatte die Wiederverwendung einen kleinen Haken:
Auch mehrere Tonnen Pflastersteine gelangen nicht von selbst in einen Garten ohne Zufahrt. Was beim Erdaushub funktioniert hatte, wurde deshalb wiederholt. Das Klinkerpflaster wurde portionsweise in Baueimern durch den Hausflur in den Garten getragen.
Danach konnte die eigentliche Pflasterarbeit beginnen.
Auf der vorbereiteten Tragschicht wurde eine Bettung aus geeignetem Splitt hergestellt und entsprechend der geplanten Höhen und Gefälle abgezogen. Anschließend wurde das alte Klinkerpflaster Stein für Stein verlegt.
Durch die unterschiedlichen Formate der gebrauchten Steine ließ sich die Fläche nicht wie ein industriell maßhaltiges Pflastersystem verarbeiten. Die Steine mussten immer wieder ausgewählt, gedreht und passend miteinander kombiniert werden. Gerade dadurch entstand jedoch das gewünschte lebendige Pflasterbild.
Nicht perfekt gleichmäßig – sondern bewusst lebendig
Bei historischem oder gebrauchtem Pflaster gelten andere gestalterische Maßstäbe als bei einem neuen Betonstein mit exakt definierten Abmessungen. Einige Steine waren stärker abgelaufen als andere. Manche waren dunkler, andere heller. Kanten waren teilweise gerundet oder unregelmäßig. Auch notwendige Passstücke wurden deshalb nicht auf eine möglichst „neue“ Optik getrimmt.
Teilweise wurden Steine mit einem Steinknacker angepasst. Die dabei entstehenden gebrochenen Kanten fügen sich sehr gut in das Gesamtbild des gebrauchten Materials ein.
Zur Wiesenseite erhielt die Terrasse eine stabile Randeinfassung.
Dafür wurden ebenfalls Pflastersteine verwendet und in Beton mit Rückenstütze gesetzt. So blieb auch am Rand die gleiche Materialwirkung erhalten.
Größere Fugen waren ausdrücklich gewollt
Da sich die Terrasse im geschützten Gartenbereich befindet und nicht mit Fahrzeugen befahren wird, konnten bei der Gestaltung andere Prioritäten gesetzt werden als beispielsweise bei einer Einfahrt. Die Fugen wurden deshalb teilweise bewusst etwas großzügiger gehalten.
Nach dem Verlegen wurde das Pflaster mit Fugenmaterial eingekehrt, abgerüttelt und anschließend nochmals nachgearbeitet.
Mit der Zeit begann sich die Fläche weiterzuentwickeln. In Teilen der Fugen siedelte sich Vegetation an. Und genau das war gewünscht.
Heute verbindet die leichte Begrünung die alte Klinkerfläche noch stärker mit dem Garten. Statt einer vollständig sterilen Oberfläche entstand eine rustikale Terrasse mit einem eigenen Altstadtcharakter.
Drei Jahre später: Die Terrasse gehört längst zum Garten
Besonders interessant ist bei diesem Projekt nicht nur der Zustand unmittelbar nach der Fertigstellung. Die Terrasse wird inzwischen seit rund drei Jahren genutzt. Die Familie ist mit ihrer Entscheidung weiterhin sehr zufrieden. Das gebrauchte Klinkerpflaster hat sich optisch in den Garten integriert, die Fugen haben sich teilweise begrünt und aus einem ehemaligen Materialhaufen ist ein individueller Aufenthaltsbereich entstanden.
Vor allem ist mit dieser Fläche aber auch eine Geschichte verbunden:
Die Terrasse entstand als gemeinsames Projekt aus Planung, Eigenleistung, Wiederverwendung und der Unterstützung von Familie und Freunden.
Dieses Beispiel zeigt sehr gut, was bei privaten Außenanlagen möglich ist.
Kostenbewusst bauen. Vorhandene Materialien weiterverwenden. Und am Ende sagen können: Das haben wir selbst gebaut.
Eigenleistung heißt nicht, alles wissen zu müssen
Dieses Beispiel zeigt sehr gut, was bei privaten Außenanlagen möglich ist.
Viele Arbeiten konnte die Familie selbst übernehmen. Bei einigen Punkten war jedoch fachliche Unterstützung sinnvoll – insbesondere beim Festlegen und Übertragen der Höhen, beim Herstellen des Gefälles, beim Aufbau des Untergrundes und beim Anschluss der Pflasterfläche an den Gebäudesockel.
Gerade bei Höhen, Gefälle, Entwässerung, Unterbau, Materialwahl und Anschlüssen können kleine Fehler später erhebliche Auswirkungen haben. Wer diese Punkte vorher klärt, kann viele praktische Arbeiten durchaus selbst übernehmen.
So kann aus einer schwierigen Ausgangssituation eine individuelle und gleichzeitig wirtschaftliche Lösung entstehen.
Entscheidend ist vielmehr die Frage:
Was kann ich selbst ausführen – und an welchen Stellen benötige ich fachliche Unterstützung?
Gerade bei Höhen, Gefälle, Entwässerung, Unterbau, Materialwahl und Anschlüssen können kleine Fehler später erhebliche Auswirkungen haben. Wer diese Punkte vorher klärt, kann viele praktische Arbeiten durchaus selbst übernehmen.
So konnten bei diesem Projekt die körperliche Arbeit und große Teile der Ausführung vollständig in Eigenleistung erfolgen, während bei den technisch wichtigen Punkten eine fachliche Grundlage vorhanden war.
Das erste "Übungsstück": die Mülltonnenecke
Das Pflaster der Terrasse wird eingekehrt
Und zum Schluss: Fertig ist das Familienprojekt
Aktion Muskelhypothek
Fachliche Unterstützung für Bauherrinnen und Bauherren, die ihre Außenanlagen selbst gestalten, planen und bauen.
Daniel Molnar
Bautechniker · Vermessungstechniker · Straßenbauer/Pflasterer · Dozent
Bestandsdokumentation · Handwerk & Baukultur · Bildung
Anfrage und Information: daniel.molnar@danielmolnar.de